Samstag, 7. Januar 2012

"Smile or Die" - (Kritisches zum Thema: Positives Denken)

Angeregt durch einen Diskussionsbeitrag von @othertwice (Isabella Mader: #Konsequenter_Realismus ) auf Twitter, beschäftige ich mich heute mit Frau Ehrenreichs ehrenvoller Provokation, das sog. Positive Denken als Ideologie nochmal auf den Prüfstand zu stellen.  Sie veranschaulicht ihre Kritik in einem lustigen Filmchen auf RSA Animate 
in Englischer Sprache.



Zum Glück gibt's ihr Buch schon in Deutsch.  Pressestimmen und eine Inhaltsbeschreibung zum Buch werde ich an dieser Stelle komplett von Amazon.de übernehmen. Zwei interessante Kommentare dazu werden von mir im Anhang per Link angegeben:

"Pressestimmen

"Von Zeit zu Zeit erscheint ein Buch, das mit dem eigenen Denken so im Gleich klang ist und dabei mit der herrschenden Modephilosophie so gekonnt abrechnet, dass sich ein tiefes Gefühl der Erleichterung einstellt Ich soll hier zwar eine Kritik schreiben, finde aber darüber verdammt noch mal nur Positives zu sagen." Guardian

"Mit grimmigem Witz demontiert Ehrenreich den künstlichen Frohsinn des positiven Denkens." Bookseller

"In ihrer scharfsinnigen Erkundung der Überzeugungskraft des positiven Denkens warnt Ehrenreich vor dem fahrlässigen Optimismus, der Individuen wie ganze Nationen dazu verführt, unvermeidliche Katastrophen auszublenden." Booklist

"Barbara Ehrenreichs Studie der wahnhaften Welt des amerikanischen Optimismus ist faszinierend, oft unglaublich komisch und ganz und gar überzeugend ein enorm unterhaltsames und zugleich beunruhigendes Buch." Sunday Times

"Eines von Ehrenreichs großen Talenten als Schriftstellerin ist es, genau die richtige Anekdote in den Fokus ihrer witzigen Kritik zu stellen ein mitreißendes, prägnantes, witziges Buch." The Times

Kurzbeschreibung

»Sei positiv! Optimisten leben länger! Der Erfolg ist in dir!« Seit Jahrzehnten künden Ratgeber und Motiva­tionstrainer von der grenzenlosen Macht positiven Denkens. Glück, Gesund­heit, Reichtum und beruflicher Erfolg so die Botschaft sind für jeden jederzeit erreichbar, eine lückenlos positive Grundhaltung vorausgesetzt. Selbst schuld, wer da noch Sorgen hat oder gar die Ursachen seiner Probleme in der Realität vermutet. Arbeitslose erfahren, einzig der Ton ihrer Bewerbung entscheide über deren Erfolg. Selbst Krebskranke werden heute gewarnt, eine »negative Haltung« könne ihre Heilung gefährden. Wie konnte aus dem harmlosen Lob einer optimistischen Lebenseinstellung eine kulturelle Glaubenswahrheit mit zunehmend zwanghaften Zügen werden? Mit kritischer Intelligenz und beißendem Spott nimmt Ehrenreich eine blühende Bewusstseinsindustrie unter die Lupe, die mit »Positive Thinking« inzwischen Mil­liarden verdient. Trotz fehlender wissenschaftlicher Evidenz haben »positive Psychologie« und Glücksforschung inzwischen sogar die Universitäten erobert. Doch nirgendwo ist das Ausblenden der Realität stärker verbreitet als in der Wirt­schaft: Die Weigerung, negative Entwicklungen überhaupt ins Auge zu fassen, hat so Ehrenreich wesentlich zum jüngsten Crash beigetragen. Eine »erfrischend aggressive und glänzend intelligente Attacke auf das Nonsense-Monster mit den tausend Armen« (Daily Mail), zugleich ein überfälliges Plädoyer für eine Rückkehr zu Realismus und gesundem Menschenverstand."

Ich selbst bin weder einer "dieser Motivationstrainer" noch unterstütze ich die Ideologie im Grundsatz. 
In meiner jahrelangen Praxis haben sich jedoch zwei Aspekte des Ansatzes bewährt, zumindest wenden meine Kunden diese erfolgreich an:
Der NLP-Approach:  Es ist sehr wohl ein Unterschied, mit welcher Formulierung ich einen Wunsch oder ein Ziel beschreibe. Die Verkürzung auf den "positiven und affirmativen Charakter" ist - anders als die von Frau Ehrenreich vorgeführten "Positivdenker" glauben mögen - nicht das entscheidende Merkmal. Ein Ziel wird offensichtlich dann mit größerer Wahrscheinlichkeit erreicht, wenn es 3 Kriterien erfüllt:
  1. "Ich muss einen eigenen Beitrag zum Erreichen des Zieles leisten können." Je größer dieser Beitrag ist, um so wahrscheinlicher ist der Erfolg. Die richtige Einschätzung der eigenen Position und Ausgangslage ist also von entscheidender Bedeutung und ein Ausdruck für Realismus. Je ungünstiger die Position oder die von mir kontrollierbaren Einflussgrößen, umso fraglicher ist, ob das Ziel erreicht werden kann. 
  2. "Ich muss auf irgend eine Weise durch meine 5 Hauptsinne (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken) wahrnehmen können, wenn mein Wunsch in Erfüllung geht, bzw. mein Ziel erreicht wird. Auch darin drückt sich ein großes Maß an Realismus aus:  Je konkreter ein Ziel  formuliert (und in Teilziele operationalisiert) ist, um so besser kann ich es auch gedanklich antizipieren, um vorher zu überprüfen, ob ich das Ziel auch tatsächlich haben möchte (Gewünscht ist's schließlich schnell und es gibt eine Menge Witze darüber, was bei unüberlegten Wünschen für Konsequenzen möglich sind :) Dies erlaubt mir auch - und darauf liegt ein besonderer Schwerpunkt - den ökologischen Gehalt eines Wunsches zu überprüfen (Mal angenommen, der Wunsch geht in Erfüllung, welche Nebenwirkungen wird das haben?). Die ökologische Balance ist also für ein designiertes Ziel ein entscheidendes Kriterium. Ein weiterer interessanter Vorteil: Je deutlicher und (be-) greifbarer mir mein Ziel vor Augen schwebt, um so einfacher werde ich bemerken, wenn ich am Ziel angekommen bin. Das vereitelt einen idealisierenden Selbstbetrug am Besten. 
  3. Darin liegt auch der Hauptgrund dafür, dass eine exakte Einhaltung folgender Grammatik für den Erfolg von Wünschen wichtig ist:  "Die Formulierung darf keine Verallgemeinerung enthalten". Wenn sie dies dennoch tut ( z.B.: "Ich möchte endlich ein normales Leben führen") wird die Überprüfung des Erfolgs genauso schwammig, wie wenn ich den konkreten Wunsch (z.B. "Ich will mich gut fühlen!") durch Vergleiche (z.B.: "Ich will mich besser fühlen!") aufweiche.( "Die Formulierung darf keinen Vergleich enthalten") . Sobald ich dies tue, muss ich mich natürlich fragen: "Fühle ich mich heute schon ein Bisschen besser? Oder bilde ich mir das nur ein?" , während ich "gut" sehr genau wahrnehmen kann.  Last but not least, und vermutlich hat genau dieses grammatische Merkmal sehr zur ideologisierbaren Verkürzung beigetragen:  Weil das menschliche Gehirn auf analoge, positive Wahrnehmung hin formulierte Sätze wesentlich schneller verarbeiten kann, ist es ratsam, der blitzschnellen und einfachen Denkstruktur des eigenen Gehirns eine passende Formel anzubieten. Der Wunsch soll direkt auf das Ziel hin ausgerichtet sein und komplexe Umwege von vorn herein ausschließen. Wenn ich im Gegensatz dazu mein eigentliches Ziel dadurch eingrenze, indem ich es durch Ausschlusskriterien einkreise, wird meine Aufmerksamkeit zu sehr durch Negativfixierungen abgelenkt. "Die Formulierung darf keine Verneinung enthalten!" Vollziehen Sie eben mit mir gemeinsam das beliebte Gedankenexperiment:  "Denken Sie jetzt bitte auf keinen Fall an einen weißen Elefanten!" (Jeder, der's versucht, wird daran - wenn er ehrlich ist - automatisch scheitern müssen). Konsequenz: Wenn ich mir auf diese Weise ständig vor Augen halte, was ich nicht erreichen möchte, halte ich meine Aufmerksamkeit von meinem Ziel ab und nicht nur das: Je unangenehmer und angsteinflößender das ist, was ich nicht erreichen will, um so bedrohlicher und allgegenwärtiger wird seine Präsenz in meiner Aufmerksamkeit. Die (nahezu-) Mechanik der in der Hirnforschung und Verhaltensforschung in Länge und Breite vorgeführten selektiven Wahrnehmung (Was mir bekannt ist und was ich für wahrscheinlicher halte, nehme ich wesentlich häufiger wahr als das mir Abstruse und Unwahrscheinliche) tut ein Übriges und so steigt in der Tat das Risiko, dass ich mich zwanghaft auf mein Scheitern hin ausrichte, bis ich mich "merkwürdig erleichtert" in meiner Weltwahrnehmung bestätigt fühle, wenn ich das Ziel eben doch nicht erreicht habe. (War ja auch von vornherein unwahrscheinlich :) .
In der verkürzenden Ideologie des Positiven Denkens wurde also ein ursprünglich auf profunden Realismus zielender und sehr erfolgversprechender Ansatz verballhornt und hat sich - in dieser Prägung - auf lange Hand selbst oft genug Ad Absurdum geführt, wie eben von Barbara Ehrenreich ehrenvoll, und davor schon von Günter Scheich ("Positives Denken macht krank") und Theo Fischer ("Wu wei - die Lebenskunst des Tao", Kapitel: "Tao statt Positives Denken") aufgezeigt und kritisiert.
Schade wäre jedoch, wenn der ursprünglich wertvolle, forschungsbasierte Gesamtkontext, und die daraus entwickelte hilfreiche Methode zur Planung (siehe 1.-3.) wie "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet" würde.

Der ZEN-Approach:  Je einfacher, je besser. Wahrnehmung und Bewusstsein haben einen großen Einfluss darauf, wie wir unsere Welt begreifen und gestalten. Zielgerichtete Aufmerksamkeit hat sowohl im ZEN als auch in der buddhistischen Psychologie eine jahrtausende währende Tradition und ist auch in den alten vedischen Schriften fest verankert. Während diese jedoch den Materialismus transzendieren, hat der NLP-Approach interessanter Weise auf materieller Ebene das gleiche Anliegen zum Inhalt (das Lernen der oben diskutierten Regeln 1-3 führt auch zu zielgerichteter Aufmerksamkeit.
Wer beginnt, sich mit Meditation eingehender zu beschäftigen, tut also gut daran, im Zusammenhang der Seelenfragen (insbesondere der 2. Frage), zunächst eben diese Spielregeln für die Formulierung seiner Wünsche anzuwenden. 
Wahrnehmungs- und Unterscheidungsvermögen steigen mit der Ebene des Bewußtseins, und diese hängt von der Erfahrung und der Praxis des Meditierens ab.

Vorläufiges Fazit: 
  • Gestatten Sie sich weiterhin, zu Wünschen oder Ziele zu formulieren, schließlich ist diese Fähigkeit für die meisten eine wichtige Lebensmotivation
  • Seien Sie in der Formulierung Ihrer Wünsche so genau, so zielgerichtet und so einfach wie möglich. 
  • Lernen Sie zu unterscheiden und 
  • zu realistischen und verantwortungsvollen Zielformulierungen zu kommen. 
  • Diese sind Ihre Eintrittskarte, um aus der Quelle eines unerschöpflichen inneren und äusseren Reichtums zu schöpfen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für Ihr Jahr 2012 und alle weiteren Jahre Glück und Erfolg.
Natürlich freue ich mich auf Ihre Rückmeldungen, kritische Anmerkungen, Diskussionsbeiträge, Weiterempfehlungen hier oder auf Twitter.

(Quellen: 

Kommentare:

  1. thomas, dir ein gutes neues jahr 2012.

    wie auch schon die letzten male ein interessanter und "längerer" text (finde ich persönlich besser als 250-Worte-Posts).

    vor dem hintergrund sozialer und "globaler" prozesse, auf die es zunächst einmal keinen eigenen positiven einfluss nehmen kannbleibt dem individdum meiner ansicht nach keine andere chance, als positiv affirmieren die "realität" zu bearbeiten.

    worauf hat denn jede/r von uns zunächst "direkten" gestalterischen einfluss? von "innen" nach außen auf unsere spiritualität, unsere gedanken, unsere körper, unsere peers und direkten sozialen umfelder, dann (über gesellschaftliche konstruktionen) auf sozialer, wirtschaftlicher, politischer und ökologischer ebene.

    die kraft positiver gedanken kommmt aus dem inneren, dort, wo die dinge bei genauer betrachtung so lächerlich einfach und "undiskutierbar" sind, dass die verkopfte auseinandersetzung (z.B. in der politik) lächerlich und unnötig erscheint.

    entfalten wir in uns und in unserem direkten physischen umfeld diese positive grundhaltung (auch mithilfe der von dir geannten merkmale und techniken), dann formen wir eine durchaus "positive" realität, die weniger mit "denken" als eher mit "fühlen" und "handeln"zu tun hat.

    insofern schließe ich mich deinem fazit an.

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  2. Hallo Thomas,
    was ich am Ansatz und der Kritik von Barbara Ehrenreich so wichtig finde ist, dass Sie weltfremdes Schöndenken wirklich krasser Probleme outet, die nur durch konsequentes Handeln behoben werden können und nicht durch "denken". Wir können uns weder das Elend der Dritten Welt, noch die soziale Einkommensschere noch die Schuldenkrise positiv zurechtdenken. Positive und konstruktive Haltung hilft ohne Frage, auch die Formulierung von positiven Zielen. Was aber erzeugt wurde von gehirnwaschenden Schöndenken-Seminaren ist, dass eine Handlungslähmung und Konfliktscheu in den Menschen entstanden ist, die eine positive Veränderung und Inangriffnahme geradezu verhindert - weil man sich ja alles mit positiven Affirmationen schöndenken kann.
    Ich sehe das auch viel in den Leben von einzelnen, die versuchen, sich ganz konkrete Ursachen für Leid zurechtzudenken statt konkret etwas dagegen zu unternehmen. Entsetzlich, weil es ohne Behebung der Ursachen (und das geht in wesentlich mehr Fällen als man vermeint) das Leid manchmal bis zum Lebensende prolongiert wird - welche Vergeudung. Wenn wir wollen, dass ich etwas positiv verändert, müssen wir in allen (!!!) Fällen handeln (!), und eben nicht nur positiv denken allein. Nur mit beidem zusammen wird eine positive Veränderung klappen.
    Schöndenken kann man sich das Leben nicht, oder nur eine gewisse Zeit lang, bis einem die Versäumnisse mit voller Wucht in den Rücken fallen. Das Schöndenken-wollen allein unterstützt bequeme Handlungs- und Konfliktvermeidung, aber es führt nicht zu echten Verbesserungen. Es löst die aktuellen wirklich krassen Probleme der menschlichen Gesellschaft und auch individuelle Krisen und Probleme nicht - es betoniert sie sogar oft mit einer Handlungslähmung.
    Was nicht okay ist MUSS als "nicht-okay" geoutet und bezeichnet werden und wir werden uns wohl oder übel unbequemen Situationen und Aufgaben stellen müssen, wenn es besser werden soll. Konfliktscheu ist eines der ganz zentralen Probleme der heutigen Gesellschaft, die insbesondere Korruption und Übervorteilung den Weg ebnen. Zivilcourage wird damit geradezu eliminiert, weil fast allen, die Probleme ansprechen, "krankjammern" unterstellt wird und "sei nicht so negativ" mit auf den Weg gegeben wird. Für mich ist es geradezu unfassbar haarsträubend, dass wir uns von dieser Art Gehirnwäsche so sehr betäuben liessen, dass einer ganzen Generation in weiten Teilen der Realitätssinn verloren ging und das Ansprechen von Problemen als unangenehm statt als reinigend wahrgenommen wird.
    Schauen wir uns doch um in der Welt: 2012 und immer noch verhungern hunderttausende Menschen, 15% (!) Armutsquote in Deutschland, 20% auf Lebensmittelmarken in den USA, Schuldenkrise und kein Ende, Schrott-AKWs weltweit, fortgesetzte Regenwald Abholzung, ... wir haben Probleme richtig dicke. Und die können wir uns nicht schöndenken - das hat bisher auch schon nicht funktioniert und das wird es niemals tun. Wir werden schon handeln müssen, und zwar auch noch superschnell - das dafür aber dann bitte positiv, dort ist es angebracht.
    Mein Fazit: Leute, wir werden wohl hinsehen müssen. Diese Gesellschaft ist geradezu exzesshaft in Problemen und wir müssen sie adressieren und handeln, wenn wir nicht bei Höchstgeschwindigkeit in Kürze gegen die Wand fahren wollen. Weg mit der rosa-Brille Gehirnwäsche und der gesellschaftlichen Lähmung, die sie verursacht. Positiv ist vor allem in Zusammenhang mit "handeln" jetzt wichtig, um das, was wir uns die ganze Zeit so positiv dachten, nunmehr auch Realität werden zu lassen. Nur im Kopf wird's nicht gehen, wir werden's schon erden müssen.

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  3. Wow, danke Isabella, da steckt richtig Power drin! Gut zu erleben, wie engagiert auch meine Freunde daran arbeiten. Mir kam es in dem Artikel darauf an, das Zielformulierungen handlungsrelevant und umsetzbar werden können.

    Dabei ist mir auch wichtig aufzuzeigen: Realitätswahrnehmung und das, was wir als Realität definieren, hängt auch vom persönlichen wie gesellschaftlichen Bewußtseinsstand ab. Wer in der Lage ist, das Raumzeitkontinuum dimensonal zu transzendieren, hat Handlungs- und Einflussmöglichkeiten, die auf die materielle Wahrnehmungsdimension zurückwirken.
    Je mehr es uns gelingt, einen "schlichten" Paradigmenwechsel von "Ich bin in der Welt!" zu "Die Welt ist in mir!" zu vollziehen, je mehr wir zur Auffassung gelangen, dass alles, was wir wahrnehmen, insbesondere auch aus uns heraus kommt, um so weniger Probleme kreieren wir auf Handlungsebene, um so profunder und ausgewogener werden unsere Lösungen sein.

    Es ist gut, einen Kopf und gewisse Fähigkeiten im Umgang damit zu haben; wenn uns jedoch klar wird, wie sehr wir miteinander verbunden sind, und wie gut wir tatsächlich in der Lage sind "mit dem Herzen zu sehen" (Exupery)bekommen wir einen Zugang zur Kohärenz, die unsere innere Ruhe und Handlungsfähigkeit bewahrt, oder überhaupt erst ermöglicht.
    Die Probleme wahrnehmen ist das Eine, davon nicht paralysiert, gestresst und ausgebrannt zu werden, das Andere. Depressionen und Burnoutphänomene, krankmachende Sorgen und der Verlust von (Selbst-) Vertrauen, sowohl auf persönlicher wie auf gesellschaftlicher Ebene haben eine lähmende Wirkung, durch ihr Festhalten an der materialistischen Sicht- und Erlebensweise. Veränderungen sind m.E. im Bewußtsein wie im Handeln nötig. Langsam findet der Aufruf dazu immer mehr Gehör und glücklicherweise setzt bei vielen ein Umdenken ein.
    Solange dieses Umdenken im Netz aus Projektionen, Gegenprojektionen, Polarisation, Frustration und Aggression hängen bleibt, versandet und stattdessen die guten alten materialistischen Suchtstrukturen und Verlustängste stärkt, werden wir davon noch wenig auf die Erde bringen. Machen wir uns also an die notwendige Transformation :)

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  4. isa und thomas,

    nun muss ich doch meinen senf auch noch einmal abgeben.

    isa: diese probleme sind alle da. das ist realität. deine "individuellen" probleme sind aber auch alle da. auch das ist realität. überfordern wir nicht uns alle mit dem anspruch, die welt zu heilen?

    anders herum: menschen werden #anonymos. 99% & occupy wall street. in deutschland formiert sich die erste dirkete demokratie partei (piraten). menschen ketten sich an, protestieren, begehren auf: ein anfang ist gemacht.

    aber: nicht jede/ kann sich anketten, pc-hacker sein oder umweltaktivist. und manche können besser denken (und schreiben) als etwas mit ihren händen tun.

    wichtig (in allem, aber hier bezogen auf die sozial-politische ebene) ist doch: es hat begonnen. die (r)evolution und transformation ist bereits in vollem gange, und während die einen diskutieren, schaffen andere fakten.

    diese diskussion ist so ein faktum.

    das thema hier - und einige andere - haben mich meinen deutschen blog killen lassen. it's time to change, my friends. und das wird weh tuen, dem einen mehr, dem anderen weniger.

    lassen wir doch diese ganzen problematisierungen einfach weg: im grunde ist alles ganz einfach - und ALLE wissen das auch...

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  5. ... gerne ein Nachsatz: Für eine nachhaltige Veränderung braucht es einen so genannten "Sense of Urgency ..." (ein Gefühl der Dringlichkeit, siehe z.B. bei John Kotter, Grundlage erfolgreicher Veränderungsprozesse) und der entsteht eben nicht, wenn wir meinen, das Aufzeigen von Problemen wäre eine "Problematisierung". Das ist sogar genau das falsche Wort: Problematisierung kannst Du verwenden, wenn etwas, das eigentlich okay ist, schlecht geredet wird. Das ist hier nicht der Fall. Derzeit haben wir das umgekehrte Problem - die Dramatik der Lage wird von zu vielen noch nicht im nötigen Maße erkannt (sodass konkrete Konsequenzen daraus gezogen würden) und insbesondere von der Politik wird die aktuelle Lage sogar noch schöngeredet bzw. beschönigt. Ganz zentral ist das die aktuelle Schwierigkeit.
    Probleme adressieren heisst nicht problematisieren.
    Tatsächlich werden der Öffentlichkeit viele Informationen vorenthalten, weil sie nicht "kommunizierbar" sind - und viele Dinge werden beschönigt, die so überhaupt nicht gehen.
    Der Vorwurf einer Problematisierung kann deshalb so unter keinen Umständen durchgehen. Die aktuelle Situation kann nicht dramatisch genug dargestellt werden - denn das ist sie.
    Sich damit zufrieden zu geben, dass die Transformation ohnehin im Gange ist, reicht m.E. überhaupt nicht - denn ohne den "Sense of Urgency" können die Lehren im Rahmen einer gesellschaftlichen Transformation nicht verstanden werden - was dazu führt, dass Fehler immer wieder wiederholt werden, wie auch jetzt gerade. Deshalb müssen die Ursachen rechtzeitig thematisiert und ganz klar adressiert werden und Konsequenzen möglichst noch herbeigeführt werden, so lange noch welche möglich sind - weil sonst die meisten Gemüter von einer "Strafe" und einer "Ungerechtigkeit des Schicksals" ausgehen, statt davon, dass es sich schlicht um die Konsequenzen von Handlungen und hier auch um Konsequenzen aus einer Handlungslähmung handelte. Das ist genau mit einer der Gründe, weshalb wir wieder in der gleichen Misere stecken als Gesellschaft wie schon mehrmals: weil wiederholt verabsäumt wurde, rechtzeitig die Lehren zu thematisieren und vor dem Zusammenbruch Aktionen zu setzen. Genau deshalb wiederholt sich das Problem schon wieder 1:1 - nur werden jedesmal die Konsequenzen für alle schlimmer.
    Ein Zurücklehnen darauf, dass eh alles schon werden wird ist präzise die Handlungslähmung, die ich für sträflich halte, vielleicht sogar für verantwortungslos - gerade von jenen, die es besser wissen (müßten). Warum? Weil sogar bei vielen inspirierten Menschen die Selbstbezogenheit so sehr angekommen ist, dass sie bereitwillig glauben, nur sich selbst ändern zu müssen ... und eine gesellschaftliche Verantwortlichkeit zu stark aus dem Blickfeld gerückt ist. Nicht nur Gier hat die Gesellschaft diesesmal wieder scheitern lassen, auch eine falsch verstandene Selbstbezogenheit. Freilich, jeder kann nur bei sich selbst anfangen, aber die meisten Menschen sind in der aktuellen Gehirnwäsche so gefangen, dass sie den Weckruf gut gebrauchen könnnten, um den Anstoß zu haben, Vorgänge auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.
    Ein ganz zentraler, erhellender Blickwinkel, den man bei gesellschaftlichen Vorgängen wie den aktuellen einnehmen kann ist zB "cui bono?" (wem nützt das?). Deshalb plädiere ich dafür, dass gerade jene, die auf diese Weise denken und fühlen können, ihre Verantwortung wahrnehmen und den Selbstbetrug der Gesellschaft adressieren, immer und immer wieder.

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  6. Hallo Pete, danke,
    übrigens finde ich sehr schade, dass Du Deinen deutschsprachigen Blog versenkt hast. Es dauert oft sehr lange, bis der deutsche Sprachraum den Anschluss an eine Diskussion findet und daher noch länger, bis Veränderungen einsetzen. Deinen Blog fand ich daher "erfrischend vorneweg" :)

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  7. Hallo Isabella, danke,
    Du hast starke Argumente, und ich meine, mich zu erinneren, dass wir beide auch auf Handlungsebene und in all den Bereichen, die Du einforderst (... sogar, was konkrete Konzepte und deren modellhafte Umsetzung angeht ...) schon lange "die Nase vorne" hatten, eventuell auch mitunter "naseweis", als Intrapreneure "gut unterwegs" aber dann auch wieder so lange vor dem "mainstream", dass wir uns dabei auch Ohren und Nasen hätten brechen können und eventuell sogar wirtschaftliche und körperliche Konsequenzen dafür ertragen haben. Für meinen Teil kann ich nur sagen, dass ich dem "Sense of Urgency" in meinem Leben viel Motivation abgewinnen konnte. Inzwischen biederte sich jedoch (... auch zuweilen in mir ...) ein Endzeitszenario an, auf welches die Einen mit Frustration und (Auto-) Aggression (Krebsrate explodiert! Autoimmunerkrankungen sind im Vormarsch!) reagieren, die Anderen mit Angst, Depression und Burnout (... Überlastungsdepressionen & "post"-traumatisches Belastungssyndrom boomen so sehr, dass manche schon das Weltraumwetter dafür verantwortlich machen :) und den nächsten Kometen materialisieren, der auf die Erde zu rast und sicher (... Deine Liste der Weltuntergangstermine ist bestimmt noch nicht komplett ...) für die nächste Weltuntergangsvorhersage taugt, während sich die Dritten (un-) heimlich die Taschen vollraffen (nach mir die Sintflut) und gänzlich im Materialismus aufgehen oder im Gegenteil ihre wirtschaftliche Existenz oder sogar die Ausbildung in den Wind schreiben, weil das alles nach 2012 wohl doch nicht mehr zu gebrauchen sei, um sich dicht zu machen "mit allem was knallt". Da gibt's welche, die bauen sich Bunker, retten sich und ihre Schäfchen in Selbstgestricktes, und hoffen davonzukommen, "wenn's Ernst wird", haben alles in eine ausgeklügelte Ausrüstung & Lagerhaltung gesteckt. Einige flüchten ihren Geist in ein Vorstellung, innerhalb derer sie sich genau daran erinnern können, dass Sie aus einem Raumschiff auf die Erde gekommen sind, einen Auftrag erfüllen müssen, ehe sie von den Aliens wieder "kurz vor knapp" abgeholt werden, während wieder andere zurückbleiben müssen und vorsichtshalber - um vor sich selbst besser zu bestehen - schon mal alle Anderen verantwortlich machen, für das, was geschehen ist, gerade eben geschieht und was vielleicht noch geschehen könnte.

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  8. ... Betrug und (Selbst-) Betrug sind aufgedeckt, ge-wikied bis gewählten und selbsterwählten AnführerInnen auch die letzte Illusion von Anstand und Ehre abgeschminkt wurde. Ist doch praktisch, wenn wir uns über einen Präsidenten aufregen können, weil er nicht auf die Idee kommt, seine Freunde für die Übernachtung auf der Couch mit Steuergeldern zu beglücken und sich dafür eine ordentliche Quittung geben zu lassen, während eine Reporterin die Gegenfrage - ob sie selbst denn von ihren Freunden auf ihrer Couch Geld verlangt, mit einem Unbehagen in der Stimme, das jeden Lügendetektor sofort austicken lassen würde und gleichzeitigem empörtem Gehabe - mit "selbstverständlich" beantwortet. Praktisch schon, ... wenn man davon absieht, dass jede(r) der KritikerInnen sich insgeheim oder unverhohlen freuen würde, wenn sich das Finanzamt mal zu seinen (ihren) Gunsten verrechnet :)) Wie sehr sich der Materialismus gerade selbst mit seinen Schwächen offenbart ist für uns dann wirklich (be-)greifbar, wenn wir bereit sind, unsere Selbstwahrnehmung zu überprüfen, in unseren Wahrnehmungsebenen und im Bewusstsein mit wechselnder Richtung Fahrstuhl zu fahren, mit unseren Wahrnehmungsmodalitäten und -submodalitäten zu spielen, bis wir erahnen, wie sehr "Objekt und Beobachter" (Empfänger und Sender, Ratsuchender und Berater, Kunde und Service, Coachee und Coach ;) eins sind :) Spätestens dann stellen sich alle Fragen von Moral und Verantwortung neu. Auch die Frage "cui bono?" beantwortet sich dann automatisch neu.
    Unsere Welt in Ordnung bringen können wir nur, solange wir selbst (noch halbwegs;) heil sind.
    Also: "Think positive & keep it real :)"

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  9. Hallo Thomas,
    das ist genau meine Aufforderung: Think positive, but ESPECIALLY keep it real.

    Immer noch ist m.E. nicht richtig zugeordnet: Die Massen an Depressions- und Krebskranken, die Du nennst, dürfen nicht NUR mit Positivdenken betäubt werden. Die Gesellschaft darf nicht mit Konfliktvermeidung und Realitätsvermeidung betäubt und in eine emotionale Vollnarkose gschickt werden, damit sie die aktuellen Probleme nicht so unangenehm spüren. Davon gehen die Probleme eben nicht weg.

    Zusätzlich (!) zur Hilfe für Einzelne müssen deshalb die Ursachen beseitigt werden - und eben nicht nur aufgedeckt (!). Das ist präzise der Kern.

    Die Wulff-Sache ist aktuell eine Pseudo-Aufgeregtheit, die der BILD nützt, aber sonst? Wie Du sagst, der Gesellschaft ist der Realitätssinn verloren gegangen und die Wahrnehmung dafür, wo wirklich sofortige Konsequenzen angezeigt sind und was Pseudo- und Ablenkungsprobleme sind.

    Die Aufgabe lautet deshalb nicht: "stay easy, stay cool ..." - das wäre der Horror hier. Diese emotionale Vollnarkose ist so, als würden wir uns die Welt schönrauchen wollen, dann aber als Gesellschaft zu benebelt sein, um tatsächlich zu handeln. Mir kommt - nicht nur durch die rosa-Brille-Gehirnwäsche Marke "nur nicht aufregen" die gesamte Gesellschaft vor wie in Permanenz gestoned ... und zwar leider insbesondere viele von denen, die eigentlich die Kraft hätten, vielen Menschen Stütze zu sein - sich so aber damit bescheiden, den Menschen zu sagen: "nur nicht aufregen, alles halb so schlimm". Das funktioniert aber nicht - ohne Beseitigung der Ursachen keine Lösung. Das ist wie 10 Aspirin gegen Kopfschmerz, während der aber von einem Tumor kommt. Ist aber einfacher, mit Aspirin zu behandeln - Tumoroperationen sind ja so mühsam und alle würden sich so sehr aufregen, dass es besser ist, über die Kopfschmerzen positiv zu denken, dann stirbt der Patient zwar relevant früher als er müßte, dafür sind aber alle viel entspannter. Da stimme ich Dir auch zu - wir müssen heil sein. Viele von denen, die eigentlich helfen könnten, sehe ich allerdings als zu betäubt und als wesentlich zu passiv. Emotionale und intellektuelle Präsenz sind gefragt - und wir müssen es bitte aushalten, Probleme zu adressieren und ihre Lösung anzugehen. Derzeit kann man nicht einmal öffentlich sagen, dass etwas schlecht ist (wenn es nun denn schlecht ist), ohne als gleichzeitig als krank, beschädigt und negativ abgestempelt zu werden. Heute muss man über die haarsträubendsten Probleme nur schön positiv reden und schreiben - sonst gilt man sofort als depressiv oder als Schwarzmaler. Und genau das muss aufhören. Wenn etwas schlecht ist, dann muss das so benannt werden. Nur das gibt uns die Möglichkeit, den Sense of Urgency zu entwickeln und ensprechend zu handeln. Wenn alles mit dem Positivdenken-Weichspüler nett gewaschen wird, gibt es kein Handeln - so wie eben jetzt, und genau das ist absolut fatal.

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  10. Hallo Isabella,
    bin vollkommen mit Dir einverstanden, und da wir uns gegenseitig lesen, weißt Du auch, dass ich die Dinge weder weichspüle noch betäube oder verharmlose. Derzeit coache ich mehrere Krebspatienten und andere Schwerkranke (parallel zur Therapie), denen selbst oft der Mut abhanden gekommen ist und die manchmal einer palliativen Begleitung den Vorzug geben. Das hat mich gelehrt, Menschen nicht mehr zu pushen, als sie es ertragen können, selbst, wenn aus meiner Sicht Eile geboten wäre. Ein beständiger Kampf oder der Versuch, durch Überreden in einen Lebensplan einzugreifen, verursacht Stress, vermindert Heilungschancen und verlangsamt Heilung, was nicht heißt, Realitäten zu verschleiern.
    Jemanden noch mehr zu verängstigen, der schon voller Angst ist, bewirkt keine Klärung sondern provoziert Wahnsinn.
    Erst wenn der betroffene Mensch sich motivieren kann, sein Lebenskonzept zu überarbeiten und sich für Heilung entscheidet, hat er eine wirklich gute Chance. Nur, wenn er das möchte und damit einverstanden ist, kann er von unterstützender Begleitung wirklich profitieren, für ihn Neues dazulernen und diese Ressourcen zur Unterstützung seiner Heilung nutzen.
    Das gilt auch auf den Systemzusammenhang bezogen. Erst wenn eine Bereitschaft besteht, und im größeren Rahmen eine kritische Masse zur Verfügung steht, sind Quantensprünge möglich. Der Weg dahin ist ein Prozess, der manchmal Zeit braucht.
    Auf einer höheren Bewusstseinsebene sind Veränderungen jedoch oft nur sehr klein, so etwa wie eine vage Idee, um eine große und tiefe Wirkung zu erzeugen. Das gilt meiner Erfahrung nach im persönlichen Bereich genau so wie im gesellschaftlichen oder universellen. Was mich dabei noch immer wieder selbst erstaunt und fasziniert ist die Synchronizität der Ereignisse, die - sobald die Intentionen klar sind - in deren Sinne anscheinend ein Universum orchestrieren können. Nicht immer ist das Ergebnis gleich ein schönes, mit allen Lern- und Veränderungsschritten, Behandlungen die erfolgreich oder weniger erfolgreich verlaufen, ist es in jedem Fall immer auch eines: Eine Gnade.
    Hast Du eigentlich dieses schon gelesen http://ow.ly/8oWse ?

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  11. Ich weiß, dass Du nicht annimmst, ich würde für Zwangsbeglückung plädieren - klingt aber so. Ich weiß auch, dass Du mich nicht bewußt mißinterpretieren wolltest - und mir auch bestimmt nicht unterstellen wolltest, ich würde unreflektierte Zwangsbeglückung fordern. Das wäre ärgerlich. Deshalb nehme ich an, dass das so wohl nicht gemeint sein kann.

    Das Problem ist, dass vielen Menschen, die Heilung suchen, ausschließlich (emotionale) Sedierung angeboten wird, um sie zu beruhigen - während an der Behebung der Ursache gearbeitet werden müßte. Der Kranke muss sich aber darauf verlassen, dass er hier gut beraten wird - und ich sehe gesamtgesellschaftlich ein absolutes Übermaß, ein viel zu viel an Sedierung und Konfliktvermeidung. Von Beginn meiner Argumentation an war es nur das, was ich sagte. Nicht schöndenken, Ursachen beheben. Jeder einzelne wird selbstverständlich entscheiden, ob er sedieren und vermeiden oder die Ursache finden und beseitigen will (seit ich mich erinnern kann ist mir kein Kranker untergekommen, der nicht an die Ursache gehen wollte). In den meisten Fällen ist das Ursachenfinden auch überhaupt kein Leiden, wiewohl gesamtgesellschaftlich wäre es aktuell allerdings ein Leiden - da müssen wir tatsächlich entscheiden, ob es jetzt ein bißchen weh tut oder eine ganze Gesellschaft kollabiert mit allem was dazu gehört - analog eben einem Krebskranken: Finden der Ursache, Risiko einer Operation und Chance auf Heilung oder lieber nur positiv denken und sedieren? Die Gesellschaft macht derzeit letzteres und der Tumor wuchert munter weiter, während wir versuchen, nicht hinzuschauen). Die Menschen haben in so steigenden Zahlen u.a. Krebs, weil sie Schmerz zu lange reingefressen haben, sich haben sedieren lassen, gute Miene zum bösen Spiel machten, statt etwas zu ändern. Leider finden sie auch zu wenige Berater im weitesten Sinne, die mit ihnen eben an die Ursache gehen (ob das der Hausarzt ist oder der Psychotherapeut, vielleich einfach ein Freund oder Vertrauter ist ja egal). Dehalb suchen so viele so lange Zeit, bis sie endlich Menschen finden, die dazu in der Lage sind, mit ihnen an die Ursachen zu gehen. Viele suchen verzweifelt weiter, weil sie nur "Sedierer" finden, aber eigentlich jemanden suchen, der mit ihnen gemeinsam endlich die Ursache ausmacht. Wie gesagt, ich unterstelle nicht, dass DU Menschen sedierst - es geht in dieser Diskussion ja um das gesamtgesellschaftliche Phänomen. Konfliktvermeidung kreiert das Pulverfass auf dem wir sitzen - und die Einkommensschere zündet es an.

    Auf gesellschaftlicher Ebene kann eine extreme Eskalation aktuell nur verhindert werden, wenn es rechtzeitig - also sehr, sehr schnell gelingt, die Einkommensschere wieder mehr zu schließen - denn das wäre die Ursache einer Eskalation. Die ganz exzesshafte soziale Ungleichverteilung der Ressourcen ist in einem Maße dramatisch geworden, dass es die Gesellschaft als Ursache einer Eskalation kippen kann. Betrogen wurden die Bürger immer, das sind sie gewöhnt, aber wenn 20% (und daran kratzen wir in Deutschland) an der Armutsgrenze sind, hört sich der Spaß auf. Auch hier wird sediert ("nicht aufregen", "nicht demonstrieren", "alles wird gut" usw.) statt an der Ursache gearbeitet - d.h. es muss an den richtigen Stellen thematisiert werden ohne Ende, reden, reden, reden, so lange das noch geht. Denn wenn das Fass hochgeht, ist es zu spät zur Überzeugungsarbeit. Jetzt muss gehandelt werden. Jetzt sofort - auf individueller Ebene und auf gesellschaflicher.

    Recommended reading vom Nobelpreisträger: http://bit.ly/yp5AEg

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  12. Liebe Isabella, Danke für den Artikel von Joseph Stiglitz und Deine klaren Worte. Nein, das hab ich natürlich nicht angenommen, dass Du Zwangsbeglückung propagierst. Das tut Stiglitz wohl auch nicht. Ja, Isabella, Du siehst das sehr klar und ich unterstütze Dein Anliegen gerne:
    Jetzt sofort - auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene,
    ... aber eben möglichst auch auf allen uns zugänglichen Bewußtseinsebenen gleichzeitig, und ich unterstelle mal, dass wir uns auch damit einig sind:
    Wenn wir nur die alten Säbelzahntigerschemen und das Reptilienhirn ansprechen, brauchen wir uns über entsprechend destruktive oder (auto-) aggressive Reaktionen nicht zu wundern. Wir würden damit genau das erreichen, was Du befürchtest.
    Hab mir eben einen Vortrag von Bernd Kolb beim Entrepreneurship Summit 2011 angesehen: Es gibt noch wenig Vorträge in deutscher Sprache, die es so klar auf den Punkt bringen. http://ow.ly/8rH1W
    Er ist mit uns und mir einer Meinung, dass Veränderung (Change) eine Bewusstseinsveränderung braucht: "Be the change!"
    Er bleibt dennoch auch dabei: "Think positive!" Eventuell ist da auch kein Widerspruch. "Think positive" ist für viele nicht nur Sedierung, sondern eben auch Ermutigung. Ermutigung dazu, weiter zu denken als bisher, die Erkenntnisse in klaren Worten zu adressieren und zu handeln. An manchen Punkten ist er in seinem Fazit im November noch nicht so konsequent, wie ich mir das wünsche, aber ein Paradigmenwechsel dieser Tragweite zu vollziehen, setzt einen Bewußtseinsveränderungsprozess voraus, sowohl bei den Empfängern als auch beim Sender. Der Anfang ist gemacht. Dranbleiben! Jetzt!

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  13. ach du meine güte - kaum mal zwei tage nicht am platze, und schon ist die pipeline vomm mit neuen aufregern.

    leider ist ein weiterer längerer kommentar hier im digitalen orkus verschwunden, sonst hätte ich noch ein bisschen öl in das feuer hier gegossen (habe ich ja - aber irgenwie den sprit verschüttet, schwer entflammbar...).

    wie dem auch sei: die diskussion hier hat mir gezeigt: ich kann mich besser in deutsch mit euch streiten. deshalb werd eich die englischen artikel auf meinen tumblr schieben, meine artikel WIEDER IN DEUTSCH verfassen und in 2012 hoffentlich einige leute aufregen und in bewegung bringen.

    isa, thomas: vielen dank für diesen diskurs - wir sehen uns...

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  14. Hei Pete, das ist gut! Freu' mich drauf :)

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  15. Hey isa und thomas!

    ich hab emir eure diskussion hie rmal ausgedruckt und am stück zu gemüte geführt. das sind viele viele worte. erstaunlicher weise stelle ich fest, dass ich diese in ähnlicher weise alle in mir trage. die "gereiztheit" die bei einem solchen austauch entstehen kann ist nur das kennzeichen der flamme, die in euch brennt.

    schütten wir öl drauf!

    eine anmerkung habe ich noch @ thomas: wenn du von unserem lizard brain sprichst klingt das deutlich negativ und so, als ob uns das dumme ding nur probleme bereitet.

    aus persönlicher erfahrung kann ich dir sagen, dass das sicher so sein kann. andereseits habe ich die erfahrung gemacht, dass ich diesen teil meines gehirns mit "technik" durchaus positiv für mich einsetzten kann.

    deine seite fürht den begriff "primordial" im titel. für mich ist dieses schlangenhirn der primordiale teil meines körpers, den ich immer dann in einsatz bringe, wenn ich richtig power brauche. die kraft, die sich dann entfaltet ist roh und kann auch in die falsche richtung "explodieren" - aber wie gesagt, das ist eine frage der technik...

    auch bemerkenswert finde ich die tatsache, dass du isa dich hier zwar "offen" äußerst, aber den eindruck vermittelst, es sei "gefährlich", sich als teil eines spirituellen widerstandes zu begreifen.

    seit ich vor nicht zu langer zeit "aufgewacht" bin, sehe ich diese gefahr auch, allerdings nur aus der perspektive dritter (z.b. wenn du es schreibst): widerstand war schon immer teil meiner persönlichkeit, ich habe das bloß ziemlich lange mißinterpretiert.

    mein tierkreiszeichen ist wassermann, dies ist mein zeitalter. ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie eigenartig ich das finde, dass sich die dinge "so fügen", wie sie das im augenblich (für mich) tun - und ihr seid, ob ihr euch dessen bewußt seid oder nicht, mit verantwortlich dafür: namaste!

    ich gehe jetzt feuer machen...

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  16. Die Flamme lodert ... wir verstehen uns, Du hast nur das kleine Wörtchen "nur" überlesen, haha :)

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  17. ... natürlich ist positives Denken und gesellschaftliche Reform kein Widerspruch, sondern notwendige Ergänzung für einander - es braucht selbstverständlich beides. Nur positives Denken ohne gesellschaftliche Reform und Engagement ist nichts und tut letztlich nichts. Gesellschaftliche Reform ohne positiven Zugang wird wohl auch nichts werden ...

    Wenn nicht gleichzeitig ganz konkret gesellschaftliche Verbesserungen in Angriff genommen und umgesetzt (!) werden - ist der Versuch einer Bewußtseinsänderung allein ohne konkrete Handlungen eine Gehirnwäsche, die mit der gelebten Realität nicht zusammenpasst oder eine Realitätsverweigerung - beides unbrauchbar. Ich sehe aber, dass viele damit vor der Realität und der konkreten Lösung fliehen wollen - und das tun Menschen auf verschiedenste Weisen: indem sie sich alles nur schöndenken, aber nicht danach handeln - indem sie sich die Welt schöntrinken/-kiffen/-rauchen/-spielen usw - indem sie krank werden uvm. Alles Vermeidungsreaktionen, die schließlich einen Systemzusammenbruch bringen, der mit konkreter Ursachenbehebung zuallermeist hätte vermieden werden können.

    Was derzeit ganz konkret das Problem ist, ist die Handlungslähmung und die mangelnde Konfliktfähigkeit - dass man sich mit jenen hinstellt, die die soziale Kluft verursachen oder betonieren, die uns derzeit auf den Kopf zu fallen droht. Wenn wir jetzt den Leuten, die trotz Arbeit zu wenig zum Leben haben, gleichzeitig aber sehen, wie Milliardenbeträge griechischen superreichen Steuerbetrügern in den Rachen geworfen werden und Millionen an Korruptionsgeldern auf private Konten verschoben werden, noch zurufen, sie sollen doch solidarisch sein, dann frage ich mich, wie wir als Gesellschaft so derart asozial und ein solch degoutantes Brechmittel werden konnten, dass wir das übersehen und das schändlich mißbrauchte Wort "Solidarität" papageienartig wiederholen, obwohl das, was damit getan wird, das Gegenteil von Solidarität ist.

    Die Bürger müssen erkennen, dass sie sich hier ganz übel mißbrauchen lassen - und letztlich wieder die Kleinen auf die Kleinen losgehen werden - dann plündern jene, die nichts mehr haben jene, die kaum noch was haben. Und diese Wiederholung ist in der Geschichte schon so oft geschehen, dass man tatsächlich versucht sein könnte zu akzeptieren, dass dann eben die Blödheit und Blindheit obsiegen wird - wenn wir hier auch nicht mitschneiden, was gespielt wird - und uns wieder gegeneinander ausspielen lassen.

    Deshalb: Aufwachen und eine eine Sozialreform fordern. Und ich denke, ich sagte das schon: das aber bitte mit affenartiger Geschwindigkeit, wenn's noch friedlich abgehen soll. Es brennt, Leute.

    Ich habe dazu gerade vorhin noch das geschrieben: http://www.twitlonger.com/show/faqab6

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  18. Guten Morgen Isabella, guten Morgen Pete,
    Twitlonger mag ich nicht so, dabei verschwinden mir zu viele Ideen im Internirvana ... (nun, wenn sie dort reifen, ...)
    Hab dazu eben schon ein paar Ideen getweetet.
    D'accord mit dem was Du schreibst, wenn Du die Perspektive änderst siehst Du, dass fast alle Versuche auf diesem Niveau - historisch belegt - schiefgelaufen sind. Selbst da, wo Revolutionen zunächst Umverteilung und Umorganisationen gebracht haben, hat das alte Bewußtsein mit neuen Akteuren letztlich über die Zeitachse in die alten Sackgassen geführt, bis eben zu einem neuen vermeintlichen Quantensprung.
    Q.E.D. : Diese Veränderungen lassen sich nicht im gleichen, sondern nur in einem höheren Bewusstseinsstand (in einer höheren Dimension, wenn Du so willst) erreichen.
    (Werde einen neuen Post zu diesem Thema bzw. vermutlich zum Thema #funtheory, aufmachen, der Übersichtlichkeit halber. fürchte, uns gehen sonst zu viele wertvolle gegenseitig beflügelte Ideen verloren. Übrigens sind wir bei Gott nicht die Einzigen, die sich zu diesem Thema gerade die Finger wund tippen, es passiert gerade Unglaubliches ... )

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  19. Erst einmal: ein ganz toller Artikel, der mir die Zusammenhänge zwischen dem banalen (aber eben auch nicht ganz von der Hand zu weisenden) "Think positive" und bestimmten zielorientierten Techniken vor Augen geführt hat. Ein Teil der Probleme (auf beiden Seiten) liegt sicher in der auf Verkürzung und Simplifizierung angelegten Öffentlichkeit. Das ist ein Balance-Akt: Wir brauchen die Verkürzung, um uns überhaupt verständlich zu machen und anzukommen bei den Menschen, aber wir brauchen auch die Komplexität... to keep it real and relevant. In dem Sinne greifen beide Positionen ins Klo: Positiv denken (allein) macht weder krank noch glücklich.

    Dann zur Diskussion: Herrlich! So geht Bloggen. Glückwunsch. Und wenn dann Pete wieder zum Deutsch zurückkehrt, dann haben wir doch alle gewonnen ;) Pete: Don't underestimate the word when you have a sword.

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  20. Danke für die Rückmeldung, Gilbert Dietrich :)
    Mit dem Balance-Akt liegst Du wohl richtig; "ins Klo" fällt keine von beiden Positionen, greift halt zu kurz und ist deshalb nicht "nachhaltig". Vielleicht schaff ich's, morgen das Folgeposting auf die Bahn zu setzen. Brauch jetzt erstmal 'ne Mütze Schlaf :)

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  21. guten morgen!

    nachdem ich mich erstmal an die hardware-front begeben musste, um meinen rechner irgendwie stabil ans laufen zu kriegen mach ich nun (ohne stabilen rechner) weiter: the medium is not the message...

    gilbert, vielen dank für deine aufmunternden worte. ja, englisch ist schön, aber deutsch kann ich schneller (und schärfer, glaube ich). schwert und wort sind für mich in der tat zwei wichtige elemente: werkzeuge des spirituellen "kriegers"...

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